Malerei bildet innerhalb der Sammlung der Hilti Art Foundation zweifellos den Schwerpunkt, insbesondere europäische Malerei vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Auch in dieser Ausstellung ist sie mit 28 ausgewählten Werken von Pierre-Auguste Renoir, Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso, Verena Loewensberg, Imi Knoebel, Sean Scully, Hanns Kunitzberger oder Callum Innes die unbestrittene Hauptsache, zu welcher sich acht Plastiken, darunter Werke von Medardo Rosso, Alberto Giacometti und Henry Moore, hinzugesellen. Diese sind jedoch nur ihrer geringeren Anzahl wegen als Nebensache zu betrachten. Beide Gattungen begegnen sich nicht beiläufig, sondern nehmen nach Gestalt und Gehalt unmittelbar Bezug aufeinander.

Primär lenkt somit diese Ausstellung das Auge auf ein Medium, das ungeachtet dessen, was es inhaltlich zeigt, bereits stofflich eine überraschende Vielfalt aufweist. In der Regel ereignet sich Malerei auf einem flächigen Träger aus Holz, Leinen, Baumwolle, Aluminium, Karton, Papier oder anderen Materialien. Das Malmittel, das heisst die Farbe, setzt sich aus höchst feinkörnigen Pigmenten zusammen, die in Eigelb, Kasein, Leim, Öl, Acryl oder Kunstharz gebunden sein können. Je nach Bindemittel erscheint die vermalte Farbe auf dem Bildträger matt oder glänzend, opak oder transparent. Sie kann pastos oder, unter Nutzung von Lösemitteln, auch dünnflüssig aufgetragen werden, und zwar mit den Fingern, dem Pinsel, dem Roller, der Spachtel, der Rakel oder der Sprühpistole. Neben all diesen Faktoren bestimmt nicht zuletzt die persönliche Handschrift des Künstlers oder der Künstlerin massgeblich das Erscheinungsbild der Malerei.

Es sind die stofflichen Eigenschaften von Malerei und Plastik, die sich dem Auge zu genauer Betrachtung und sinnlichem Genuss anbieten. Der Genuss ist umso grösser, je genauer das Auge hinschaut und zu differenzieren versteht. 1990 formulierte der Maler Gerhard Richter:

«Es geht doch immer nur ums Sehen … Malen kann man alles. Sehen, ob das, was man treibt, gut ist oder nicht, ist schwieriger. Aber es ist das einzig Wichtige … Das Sehen ist ja auch der entscheidende Akt, der letztlich den Produzenten und den Betrachter gleichstellt.»

Die Ausstellung wird kuratiert von Uwe Wieczorek, Kurator der Hilti Art Foundation.