16. November 2007 – 17. Februar 2008

JOSEPH BEUYS / HERBERT ZANGS. Die Fünfziger Jahre

Herbert Zangs, ohne Titel, 1953
Die beiden Ausstellungen zu Joseph Beuys und Herbert Zangs stellen die beiden Künstler vor dem Hintergrund ihrer ähnlichen prägenden zeithistorischen Erfahrungen mit Ihrem Frühwerk einander gegenüber. Der Fokus liegt dabei auf der Keimzelle des jeweiligen Œuvres und weniger auf den künstlerischen Gemeinsamkeiten.

Joseph Beuys. Die Fünfziger Jahre
Bis 1961 hatte Joseph Beuys (1921 – 1986) in einem von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachteten Werk aus unzähligen Zeichnungen, Collagen und plastischen Arbeiten die Grundlage für seine plastische Theorie entwickelt. Schon während des Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie zeigte sich sein eigenwilliger Umgang mit klassischen The-men, von der weiblichen Figur und dem Tier bis hin zu christlichen und mythologischen Darstellungen. Figürliches wurde bald mit abstrakten Formen ergänzt, Inhalte mit natur-kundlichen wie entstehungsgeschichtlichen Aspekten verbunden und neu interpretiert. Wertlose, von Gebrauch oder ehemaliger Funktion gezeichnete Materialien untersucht er auf ihr plastisches Potential hin, um es in zahlreichen Varianten durch die gezielte Polari-sierung von offenen, bewegten mit definierten, statischen Formen aufzuzeigen, und zugleich inhaltlich neue Schichten zu erschliessen.

Beispielhaft stellt diese Ausstellung sein von experimenteller Offenheit, Humor und spiele-rischem Ernst geprägtes Kreisen um das Wesen des Plastischen vor, das innerhalb und ausserhalb des Kontexts des Informel der 1950er Jahre zu überraschenden Formulierun-gen findet, die auch und gerade jenseits seiner weiteren Entwicklung Bestand haben.

Herbert Zangs. Die Fünfziger Jahre
Die Ausstellung stellt mit dem von der Öffentlichkeit unbemerkt entstandenen Frühwerk aus Objekt- und Material-Verweissungen, weissen und polychromen Reliefbildern von Herbert Zangs (1924 – 2003) eine singuläre Position im Kontext des Informel der 1950er Jahre vor.

Nach einem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und zwischen zahlreichen Rei-sen durch Europa und Nordafrika begann der Krefelder Künstler um 1952 Abfallmaterialien des alltäglichen Gebrauchs aus Handwerksbetrieben und maschineller Produktion zu sammeln und auf Fundstücken anzuordnen. Durch die anschliessende Übermalung mit weisser Farbe reduzierte er die Materialästhetik zugunsten formaler Eigenschaften und plastischer Prozesse des Gebrauchs, um in einem vereinheitlichten Gesamtgefüge das dynamische Potential von Materialen und Ordnungen freizulegen.

In den Reliefbildern aus aufgespritzter oder getropfter weisser Farbe experimentierte Zangs zunächst mit der organischen Dynamik fliessenden Materials, um dann mit pastos aufge-tragener Farbmasse erneut zu einer rhythmischen Ordnung aus seriellen Strukturen überzugehen. Mit den Reliefs aus schwarzer Farbmasse ab 1960 endet das weisse Werk weitgehend, um erst Anfang der 1970er Jahre von der Öffentlichkeit entdeckt zu werden.

Mit diesen beiden Ausstellungen stellt das Kunstmuseum Liechtenstein zwei Künstler aus der Sammlung vor, deren Arbeiten es in ihrer unverbrauchten Frische und Offenheit immer noch zu entdecken gilt.

Die Ausstellungen sind eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Susannah Cremer-Bermbach.
Öffentliche Führung
 Donnerstag, 22. November 2007, 18 Uhr mit Susannah Cremer-Bermbach 
 Donnerstag, 24. Januar 2008, 18 Uhr mit Susannah Cremer-Bermbach 
Begleitprogramm:
 Donnerstag, 14. Februar 2008, 18 Uhr   Gespräch

Joseph Beuys: Aktive Neutralität - Die Überwindung von Kapitalismus und Kommunismus

Filmdokumentation des Vortrags vom 20. Januar 1985 in Rorschach, mit einer Einführung durch Rainer E. Rappmann