10. März – 31. Mai 2006

MATTS LEIDERSTAM. Grand Tour

Künstler und junge Männer aus den oberen Gesellschaftsschichten unternahmen im 17. bis 19. Jahrhundert häufig eine ausgedehnte Reise durch Italien – die Grand Tour. In seiner Ausstellung verknüpft Matts Leiderstam diese Vergangenheit mit der Gegenwart.

Die Grand Tour, eine ausgedehnte Reise durch Italien, war vom 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine häufige Unternehmung von Künst-lern und jungen Männern aus den oberen Gesellschaftsschichten. In seiner Ausstellung Grand Tour verknüpft Matts Leiderstam Gegenwart und Vergangenheit. Die Idee zur diesem Projekt entstand bereits 1996, inspiriert durch den Ausstellungskatalog der Tate Gallery Grand Tour – Der Reiz Italiens im 18. Jahrhundert und durch den Band Spartacus In-ternational Gay Guide, ebenfalls 1996. Leiderstams Arbeitsweise be-deutet eine ständige Veränderung und Anpassung der Ausstellung ent-sprechend den Gegebenheiten vor Ort und der Sammlung des ausstel-lenden Museums; neue Werke werden hinzugefügt und andere ausge-tauscht. Grand Tour gleicht einem persönlichen Archiv für die privaten Forschungen des Künstlers und kann gleichzeitig als ein Versuch ver-standen werden, seine verschiedenen Projekte in der Rückschau zu-sammenzuführen.

In seiner Kunst nimmt Matts Leiderstam sowohl die Rolle des Künstlers als auch des Betrachters ein. In seinen Kopien oder Paraphrasen von Gemälden älterer Meister äussert sich sein Bestreben, verborgene oder untergegangene Schichten und Geschichten wieder ans Licht zu holen. Sein Werk offenbart unbeachtet gebliebene Details und ermöglicht dar-in Interpretationsalternativen zu den Deutungen der traditionellen Kunstgeschichte. Gleichzeitig fordert Leiderstam die Betrachtenden auf spielerische Art und Weise auf, ihren eigenen Blick ebenso wie Ihre Rolle als Museums- und Ausstellungsbesucher zu überprüfen.

Zu sehen sind in der Ausstellung Matts Leiderstams Interpretationen älterer Gemälde und Bücher mit Illustrationen der Originale. Diese Bil-der werden ergänzt durch einen am Rechner präsentierten Ausstel-lungskatalog in Form einer Webseite. Dort finden Interessierte weiter-gehende Informationen. Ausserdem umfasst die Ausstellung verschie-dene Präsentationsarten und optische Instrumente wie Ferngläser und Lupen.

Die Ausstellung „Grand Tour“ wurde zum ersten mal anlässlich der Biennale in Venedig 1997 gezeigt. In der aktuellen Ausstellungstournee ist das Kunstmuseum Liechtenstein nach Stockholm, Dundee und Göte-borg die vierte Station. Für die Ausstellung im Kunstmuseum Liechten-stein wird Matts Leiderstam neue Werke entwickeln, die mit Gemälden aus den Sammlungen des Hauses und seinen eigenen in der Sammlung befindlichen Werken verknüpft sind.
Leiderstam 2_150x100.jpg
Leiderstam 3_150x100.jpg
Leiderstam 4_150x100.jpg
Vernissage
 Donnerstag, 9. März 2006, 18 Uhr  
Begleitprogramm:
 Donnerstag, 30. März 2006, 18 Uhr   Vortrag

Malerei nach dem Ende de Malerei?

von Konrad Bitterli