26. Februar – 26. März 2008

ÉCOLE DE BARBIZON BIS GERHARD RICHTER. Die Sammlung Heinrich Merz und Werke aus verschiedenen Sammlungen

Gerhard Richter, Bäume, 1990Gerhard Richter, Heidi Kuhn, 1968Gerhard Richter, Trinkendes Mädchen, 1968Gustave Courbet, Die Quelle, o.J.
Diese Präsentation stellt einen Abriss aus der Malereigeschichte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart dar. Der Fokus liegt dabei auf der École de Barbizon über den deutschen Impressionismus bis hin zum Symbolismus.

École de Barbizon bezeichnet eine Gruppe französischer Landschaftsmaler, die im Dorf Barbizon in der französischen Ile-de-France lebten und arbeiteten. Die Errungenschaften der Malerkolonie, die von zirka 1830 bis 1870 bestand, beeinflussten massgeblich die Landschaftsmalerei Europas. Die Schule gilt als Vorreiter des Impressionismus und lebt bis heute in den Namen ihrer berühmten Vertreter wie Gustave Courbet, Jean-Baptiste Camille Corot oder Jean-François Millet.

Die Maler der École de Barbizon und die des Impressionismus verband die Suche nach der Wahrheit in der Natur. Beide Stilrichtungen wandten sich von der bis dahin stilbildenden klassisch-idealistischen Landschaftskomposition ab. Auch die Arbeit im Atelier wurde immer mehr durch das Malen en plein air – in der freien Natur, ersetzt. Da weniger die Verfolgung eines bestimmten Zieles, als die Abwendung vom akademischen Klassizismus das verbindende Element dieser Maler war, finden sich innerhalb der Gruppierungen ganz unterschiedliche Techniken und Stile: von Corots leichtem und feinen Pinselstrich bis hin zum reliefartig dicken Farbauftrag bei Dupré.

Der Symbolismus gelangte erstmals an der Pariser Weltausstellung von 1889 zu einer breiten Öffentlichkeit. Von da aus verbreitete er sich über ganz Europa. Anders als die Maler des Impressionismus und der École de Barbizon bedienten sich die Symbolisten der Naturdarstellung als Metapher für ein verschlüsseltes Weltbild – getreu der Aussage aus dem symbolistischen Manifest von Jean Moréas von 1886: „Die wesentliche Eigenschaft der symbolistischen Kunst besteht darin, eine Idee niemals begrifflich zu fixieren“. Es ging darum, in Abgrenzung zum Realismus Courbets und seiner Weggefährten, die seelische Tiefe des Kunstwerks zu finden. Die Welt und deren Aspekte wurden als Symbole einer tieferen Wirklichkeit gesehen. Die Kunst sollte als Mittlerin zwischen diesen Ebenen fungieren. Die Symbolisten behandelten Motive der antiken Mythologie oder der Bibel sowie Themen wie Traum, Ekstase, Krankheit, Tod, Sünde und Leidenschaft. Ein berühmter Vertreter war etwa der Schweizer Maler Arnold Böcklin, der in der Ausstellung prominent vertreten ist. Der Symbolismus weist Parallelen zum Jugendstil auf und gilt als Bindeglied zwischen dem vorausgehenden Impressionismus und dem nachfolgenden Expressionismus.

Besonderes Augenmerk wird in dieser Präsentation des weiteren auf die zeitgenössischen Malerei Gerhard Richters gelegt. Richter wurde 1932 in Dresden geboren und gehört zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Sein Werk hat sich über vier Jahrzehnte kontinuierlich entwickelt und zeichnet sich durch die Vielfalt malerischer Herangehensweisen und Motive aus. Den frühen grauen, nach fotografischen Vorlagen abgemalten Bildern folgen in den späten 1960er Jahren akribische Untersuchungen der Wirkung von Farbe. Sein radikaler Ansatz, die Malerei immer wieder neu zu formulieren, liegt Richters Wunsch zugrunde, „sich ein Bild zu machen von dieser Welt“.
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Gerhard Richter, Heidi Kuhn, 1968
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Gerhard Richter, Trinkendes Mädchen, 1968
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Gustave Courbet, Die Quelle, o.J.