02. Oktober 2009 – 17. Januar 2010

DIE MODERNE ALS RUINE. Eine Archäologie der Gegenwart

Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Liechtenstein, 2009Jeron de Rijke / Willem de Rooij, Bantar Gebang, Bekasi, West Java, May 2000Gordon Matta Clark, Conical Intersect, 1975Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Liechtenstein, 2009
Eine menschlichere und zeitgenössische Gesellschaft war das grosse Projekt der Moderne seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Neue Wohnformen sollten geschaffen und den Städten ein neues Gesicht gegeben werden. Was ist aus dieser grossen Utopie geworden?

Die Ausstellung lädt ein, sich dem Thema einer besseren Gesellschaft auch in Bezug auf deren Nachhaltigkeit nicht auf der technischpraktischen, sondern auf einer intellektuell-künstlerischen Ebene zu nähern. Die amerikanischen Künstler Robert Smithson und Gordon Matta-Clark thematisieren bereits Anfang der 1970er Jahre unter anderem die Auswirkungen des Kapitalismus auf die Stadt- und Gesellschaftsstruktur. Sie bearbeiten vor allem komplexe ökologische und soziale Zusammenhänge im Kontext der explosionsartigen Architekturentwicklung der Grossstädte Amerikas, die sich nach dem Aufschwung der 1960er Jahre vielerorts in verfallene Orte der Antiutopie, in Siedlungsghettos und problematische Vorstädte verwandelten.

Der von Robert Smithson aus den Naturwissenschaften eingebrachte Begriff „Entropie“, der irreversible Wandel, die Entformung wird zu einem zentralen Bezugspunkt zahlreicher Werke der Ausstellung. Während sowohl Bau- als auch Verfallsprozesse thematisiert werden, bleiben zugleich manchmal noch Momente des Kristallinen, der Struktur erhalten.

Der Architekt und Visionär Yona Friedman etwa verweist auf die prekäre Lage der modernen Gesellschaft, auf die Ausbeutung der Rohstoffressourcen. In Ville spatiale baut er modellhaft eine Stadt aus Abfallmaterialien, während Rob Voerman Hybridbauten zwischen Höhle, Maschine und Sakralraum schafft, als wären sie eine Vision für die Welt nach der Apokalypse. In ihrem Film Bantar Gebang zeigen Jeroen de Rijke und Willem de Rooij einen anderen Aspekt der Auswirkungen des Kapitalismus in der Moderne: Ein idyllischer Sonnenaufgang wird konterkariert vom Sujet einer Siedlung, die auf einer Müllhalde errichtet wurde.

Aus zahlreichen Arbeiten wird ablesbar, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen endlich sind und wir die Definition des Neuen, des Fortschritts überdenken müssen.

Die Ausstellung beinhaltet Werke von Yona Friedman, Giuseppe Gabellone, Cyprien Gaillard, Isa Genzken, Dan Graham, Gordon Matta-Clark, Florian Pumhösl, Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, Robert Smithson, Rob Voerman und Stephen Willats. Sie ist eine Produktion der Generali Foundation, Wien, kuratiert von Sabine Folie.

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Jeron de Rijke / Willem de Rooij, Bantar Gebang, Bekasi, West Java, May 2000
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Gordon Matta Clark, Conical Intersect, 1975
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Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Liechtenstein, 2009
Generali Foundation, Wien
Vernissage
 Donnerstag, 1. Oktober 2009, 18 Uhr  
Öffentliche Führung
 Donnerstag, 8. Oktober 2009, 18 Uhr mit Christiane Meyer-Stoll, Konservatorin 
 Donnerstag, 22. Oktober 2009, 18 Uhr mit Thomas Soraperra 
 Donnerstag, 3. Dezember 2009, 18 Uhr mit Denise Rigaud 
 Donnerstag, 7. Januar 2010, 18 Uhr mit Thomas Soraperra 
Begleitprogramm:
 Sonntag, 11. Oktober 2009, 11 Uhr   In Kooperation mit der Kunstgesellschaft

Die Moderne in Liechtenstein. Ein architekturhistorischer Spaziergang

ein architekturhistorischer Spaziergang durch Vaduz mit Hansjörg Hilti, Leiter des Instituts für Architektur und Raumplanung an der Hochschule Liechtenstein, und Florin Frick, Architekt, Schaan

 Dienstag, 20. Oktober 2009, 17 – 19 Uhr   Schule und Museum

Einführung für Lehrpersonen

"Die Moderne als Ruine. Eina Archäologie der Gegenwart"
mit Christina Jacoby

 Mittwoch, 21. Oktober 2009, 15 – 17 Uhr   Schule und Museum

Einführung für Lehrpersonen

"Die Moderne als Ruine. Eina Archäologie der Gegenwart"
mit Christina Jacoby

 Donnerstag, 29. Oktober 2009, 12:30 – 13 Uhr   Take Away

Die Moderne als Ruine. Eine Archäologie der Gegenwart

30 min Kurzführung über Mittag,
immer am letzten Donnerstag im Monat

 Sonntag, 15. November 2009, 14 – 16 Uhr   Familien

Familiensonntag

für Kinder von 5 bis 10 Jahren und ihre (Gross-)Eltern

 Donnerstag, 19. November 2009, 18 Uhr   In Kooperation mit dem Vorarlberger Architekturinstitut

Die Architektur der Abwesenheit. Über die Kunst, eine Ruine zu bauen

Vortrag von Kai Vöckler, freischaffender Stadtforscher und Publizist

 Donnerstag, 26. November 2009, 12:30 – 13 Uhr   Take Away

Die Moderne als Ruine. Eine Archäologie der Gegenwart

30 min Kurzführung über Mittag,
immer am letzten Donnerstag im Monat

 Donnerstag, 10. Dezember 2009, 18 Uhr   Präsentation und Gespräch

Zur Sprengung von Pruitt-Igoe. Planungsparadigmen, Lenkungsmodelle und Rezeption des US-amerikanischen Sozialwohnungsprojektes

mit Sabine Horlitz, Architektin, Berlin, und Christiane Meyer-Stoll, Konservatorin Kunstmuseum Liechtenstein

 Donnerstag, 14. Januar 2010, 18 Uhr   In Kooperation mit der Kunstgesellschaft

Die Architektur öffnen: Gordon Matta-Clark

Vortrag von Philip Ursprung, Professor für Moderne und zeitgenössische Kunst an der Universität Zürich

 Sonntag, 17. Januar 2010, 14 – 16 Uhr   Familien

Familiensonntag

für Kinder von 5 bis 10 Jahren und ihre (Gross-)Eltern