04. Februar – 08. Mai 2011

BILL BOLLINGER. Die Retrospektive

Bill Bollinger, mit Pipe Piece (aus Bill Bollinger, Cyclone Fence, Ausstellungsansicht, Castelli Warehouse, New York, 1968Bill Bollinger, Cologne Log Piece, Köln, 20.12.1969 Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Liechtenstein, 2011
Das radikale plastische Werk des nahezu in Vergessenheit geratenen amerikanischen Künstlers Bill Bollinger (1939-1988) wird mit dieser Werkschau erstmals seit den 1970er Jahren wieder gezeigt.

Bill Bollinger gehörte Ende der 1960er Jahre zu den wichtigsten Bildhauern seiner Zeit und wurde in einem Atemzug mit Bruce Nauman, Robert Smithson, Eva Hesse und Richard Serra genannt, bevor er ab Mitte der 1970er Jahre in Vergessenheit geriet und nicht länger im internationalen Kunstbetrieb präsent war. Die Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein ist die erste Retrospektive zum Werk des früh verstorbenen Künstlers, das es in seiner Komplexität, Radikalität und Intensität neu zu entdecken gilt. Gleichzeitig versteht sich diese Präsentation als Beitrag zur aktuellen Aufarbeitung vergessener künstlerischer Positionen.

Mit dieser gross angelegten Werkübersicht präsentiert das Kunstmuseum Liechtenstein über 30 Skulpturen und an die 100 Arbeiten auf Papier erstmals einer breiten Öffentlichkeit. Zahlreiches, unbekanntes Dokumentationsmaterial vermittelt zudem einen vertieften Einblick in das überraschende Werk. Zusammen mit der anlässlich der Ausstellung erscheinenden Publikation ist diese Retrospektive das Ergebnis einer mehrjährigen Recherchearbeit. Eine Anzahl der gezeigten Werke wurde, basierend auf historischen Dokumenten, wieder aufgetauchten Installationsanweisungen Bollingers und Aussagen von Zeitzeugen, speziell für diese Ausstellung rekonstruiert.

Charakteristisch für Bollingers künstlerisches Werk ist sein feinfühliger Umgang mit einfachsten, industriell gefertigten Materialien. Aluminiumrohre, Seile, Gummischläuche, Maschendraht, Lampen oder Schubkarren setzt er radikal, direkt und mit leichter Eleganz ein. Bollinger, der nach einem Studium der Luftfahrttechnik an der renommierten Brown University sich mit Malerei beschäftigt und eine künstlerische Laufbahn einschlägt, schafft Ende der 1960er Jahre, als Menschen erstmals auf dem Mond landen, Skulpturen, die die Schwerkraft, die Balance und die spezifischen Eigenschaften unterschiedlichster Materialien einbeziehen. Fasziniert vom gekrümmten Raum, der Vertikalen und dem Horizont, sind für Bollinger der Kosmos und das Wasser zentral. Es entstehen flüchtige, puristische und energiegeladene Arbeiten, die uns in ihrer Radikalität heute noch erstaunen lassen.

Seine tiefgründigen Interessen werden, angeregt durch die Überfahrt auf einem Frachtschiff 1968 von New York nach Europa, bei der Bollinger den Atlantik als leicht gewölbte, scheinbar plane Fläche mit gestochen scharfem Horizont wahrnahm, noch einmal verdichtet. Es entstehen Werke, in denen Wasser eine wichtige Rolle spielt: transparente Plastikschläuche, gefüllt mit Wasser, gelegt als Linie, als Kreis oder als verzweigtes Verteilersystem. Gummischläuche halten die Wasseroberfläche auf gleichem Niveau; bei einem Werk verbinden sie sieben lackierte Fässer zu einer ornamental, floral erscheinenden Skulptur.

Diese erste, umfassende Werkschau, kuratiert von Christiane Meyer-Stoll in konzeptueller Zusammenarbeit mit Rolf Ricke, ist eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein in Kooperation mit dem ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, wo sie im Anschluss zu sehen sein wird, und The Fruitmarket Gallery, Edinburgh.

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Bill Bollinger, Cyclone Fence, Ausstellungsansicht, Castelli Warehouse, New York, 1968
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Bill Bollinger, Cologne Log Piece, Köln, 20.12.1969
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Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Liechtenstein, 2011
Vernissage
 Donnerstag, 3. Februar 2011, 18 Uhr -- Eröffnung eine Woche verschoben 
 Donnerstag, 10. Februar 2011, 18 Uhr -- Neuer Termin 
Öffentliche Führung
 Donnerstag, 17. Februar 2011, 18 Uhr mit Denise Rigaud 
 Donnerstag, 10. März 2011, 18 Uhr mit Denise Rigaud 
 Donnerstag, 5. Mai 2011, 18 Uhr mit Christiane Meyer-Stoll 
Begleitprogramm:
 Dienstag, 8. Februar 2011, 17 – 19 Uhr   Schule und Museum

Einführung für Lehrpersonen aller Schulstufen: Bill Bollinger. Die Retrospektive

mit Christina Jacoby

 Mittwoch, 9. Februar 2011, 15 – 17 Uhr   Schule und Museum

Einführung für Lehrpersonen aller Schulstufen: Bill Bollinger. Die Retrospektive

mit Christina Jacoby

 Donnerstag, 17. Februar 2011, 20 Uhr   Filmclub im Kunstmuseum

Im Schatten des Mondes

von David Sington, USA 2007, 100’

 Donnerstag, 24. Februar 2011, 12:30 – 13 Uhr   Take Away

Bill Bollinger. Die Retrospektive

30 min Kurzführung über Mittag,
immer am letzten Donnerstag im Monat

 Samstag, 26. Februar 2011, 09:30 – 12:30 Uhr   Kunstsamstag

Der sehende Körper - Konzentrierte Werkbetrachtung und Qigong Yangsheng

mit Christiane Meyer-Stoll, Konservatorin am Kunstmuseum Liechtenstein, und Hanni Schierscher, Lehrerin für Qigong Yangsheng

 Freitag, 11. März 2011, 15 – 17 Uhr   Dialogisches Ausstellungsgespräch

Bill Bollinger

mit Christiane Meyer-Stoll, Konservatorin

 Donnerstag, 17. März 2011, 14 – 16 Uhr   Kunst 60+

Das Museum neu entdecken

mit Barbara Redmann, Museumspädagogin

 Donnerstag, 17. März 2011, 18 Uhr   In Kooperation mit der Kunstgesellschaft

Ein Zeitgenosse erzählt

Gespräch mit Rolf Ricke, Sammler und Galerist

 Donnerstag, 17. März 2011, 20 Uhr   Filmclub im Kunstmuseum

Conceptual Paradise

von Stefan Römer, D, 109’

 Donnerstag, 24. März 2011, 18 Uhr   Vortrag

Menschlicher Organismus und Schwerelosigkeit

von Dr. Marcel Egli, Leiter der Forschungsgruppe Weltraumbiologie an der ETH Zürich

 Donnerstag, 31. März 2011, 18 Uhr   Lesung

Leselust - Lesung und Imagination zu Bill Bollinger

mit Heiderose Hildebrand, Kunst und Bildung, Wien und Klagenfurt

 Donnerstag, 7. April 2011, 16 – 20 Uhr   Symposium

In and Out

Die Wiederentdeckung in Vergessenheit geratener Künstler

 Donnerstag, 14. April 2011, 18 Uhr   Workshop für Erwachsene

Gespannte Linie, gekrümmte Fläche

mit Christina Jacoby

 Donnerstag, 28. April 2011, 12:30 – 13 Uhr   Take Away

Bill Bollinger. Die Retrospektive

30 min Kurzführung über Mittag,
immer am letzten Donnerstag im Monat