06. Juli – 03. Oktober 2010

Malerei und Konzept

Julian Opie, Monique, housewife businesswoman, 10, 2004
Dialoge – das ist die Präsentationsform im Kunstmuseum Liechtenstein. Dafür werden die Kunstwerke der Sammlung immer wieder neu miteinander kombiniert. Die Freude am Dialog steht im Vordergrund.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert haben Künstler Malerei in zunehmendem Masse als Möglichkeit verstanden, konzeptuelle Ansätze zu visualisieren. Besonders seit dem Hard Edge Painting der Amerikaner Barnett Newman oder Mark Rothko um 1950, aber auch mit den Affichistes Raimond Hains und Jacques de la Villeglé oder Einzelpositionen wie Lucio Fontana oder Yves Klein wird Malerei als eine Praxis verstanden, die einerseits die Möglichkeiten von Malerei grundsätzlich befragt, die andererseits aber auch versucht, gedankliche Modelle mit malerischer Praxis in eine fruchtbare Verbindung zu setzen.

David Reed hat als einer der ersten die Malerei in einer engen Wechselbeziehung mit den Medien Film und Fernsehen verstanden und sich besonders auf die Transluzidität und die Prozesshaftigkeit der laufenden Bilder bezogen. In dieser Tradition steht auch der Brite Julian Opie, dessen Bezug zur Pop Art unübersehbar ist. Auch Fabian Marcaccio steht in dieser Traditionslinie. Der aus Argentinien stammende und in New York lebende Künstler thematisiert die malerischen Grundmittel – Leinwand, Farbe, Rahmen, Fläche und Raum – in einer grundsätzlich neuen, radikal zeitgenössischen Weise aus der Sicht einer zerfallenden Kultur, die das Bild als Einheit aus all diesen Mitteln definiert. Für ihn sind alle einzelnen Komponenten heute Instrumente, um auf den ideologischen Gehalt im allgemeinen Umgang mit Bildern zu verweisen. Die expressive Optik seiner Gemälde dient dabei wesentlich zur Verdeutlichung der Brisanz dieser Thematik. Rütjer Rühle und Jean-Michel Basquiat dagegen scheinen einer unmittelbaren Emotionalität, einer Expression zu huldigen. Dennoch lassen sich bei näherer Betrachtung klare konzeptuelle Ansätze erkennen: Arbeitet Rühle mit standardisierten Formgebungsregeln, so referiert Basquiat in seinem rudimentären Zeichnungsstil auf die Labels der Pop Art und schiebt dieser subtil subjektivistische Werte unter.