06. Juli – 03. Oktober 2010

Plastiker und ihre Grafik

Leiko Ikemura, Ohne Titel, 1996
Dialoge – das ist die Präsentationsform im Kunstmuseum Liechtenstein. Dafür werden die Kunstwerke der Sammlung immer wieder neu miteinander kombiniert. Die Freude am Dialog steht im Vordergrund.

"Der Bildhauer nimmt weg, der Plastiker fügt hinzu." So definiert sich der Unterschied in den Methoden, nach denen Skulpturen und Plastiken entstehen. Diese Präsentation widmet sich ausschliesslich den Plastikern, und sie zeigt, dass auch bis zu den jüngeren Generationen dieses Prinzip im 20. Jahrhundert seine Gültigkeit behält.

Das Prinzip des Hinzufügens kann dabei sehr organisch erfolgen, wie bei Alberto Giacometti, Hans Arp und Louise Bourgeois, oder konstruktiv wie bei Fritz Wotruba. Dabei ist es interessant zu beobachten, dass die am Ende entstandene Figur oder Form stets einen Bezug zu ihrer Entstehung, zu ihrem Aufbau von unten nach oben erkennen lässt, transparent macht. Leiko Ikemura, aus einem anderen Kulturraum stammend, interpretiert diese Methode sehr frei und schlägt die Brücke zu den konzeptuellen Plastikern Richard Serra, Fred Sandback und Tony Cragg, die stärker an der Formung und Interpretation des Raumes interessiert sind als an der Definition eines Körpers im Raum. Bei der japanischen Künstlerin halten sich Figur und Raum gegenseitig in einem labilen Gleichgewicht. Zugleich ist sie daran interessiert, malerische Elemente in ihre plastischen Formfindungen einfliessen zu lassen.

Die Grafik dieser Künstler, ob Zeichnung oder Druckgrafik, stellt noch deutlicher als die Plastiken heraus, worum es den Künstlern in ihrem Werk geht. Sind Arp, Wotruba, Sandback oder Cragg eher an der Lösung formaler Fragen interessiert, so sind die Werke von Giacometti, Wotruba, Bourgeois und Ikemura wesentlich stärker anthropologisch ausgerichtet, das heisst an der Untersuchung von Entwicklung und Struktur des Mensch-Seins ausgerichtet. Gleichwohl lassen sich im Ergebnis die weltanschaulichen Positionen der Künstler auch jenseits ihrer jeweiligen Formfindungen im Wechselspiel von Plastik und Grafik als Ausdruck einer am Menschen orientierten Suche erkennen.

Öffentliche Führung
 Donnerstag, 9. September 2010, 18 Uhr mit Christiane Meyer-Stoll