Das aussergewöhnliche Filmprogramm in Liechtenstein
Jeden 3. Donnerstag im Monat präsentiert vom Filmclub im TaKino

Überblick Veranstaltungen:

Do 19. Februar 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

The Airstrip – Aufbruch der Moderne, Teil III

von Heinz Emigholz, D 2013, 108'
In Kooperation mit dem Institut für Architektur und
Raumentwicklung der Universität Liechtenstein
 
Man stelle sich einen Luftraum vor, in dem eine Bombe abgeworfen wurde, die noch nicht ihren Explosionsort erreicht hat. Sie fliegt auf ihn zu und ist nicht mehr zu stoppen. Die Zeit zwischen dem Abwurf und der Explosion der Bombe ist weder Zukunft – denn die unweigerliche Zerstörung hat ja noch nicht stattgefunden – noch ist sie Vergangenheit, da diese unweigerlich im Begriff ist, zerstört zu werden.
Die Flugzeit der Bombe beschreibt so das absolute Nichts, die Stunde Null, bestehend aus all den Möglichkeiten, die es im nächsten Moment nicht mehr gibt. Eine Geschichte also, die aufhören wird, bevor sie angefangen hat, und die hier aus Trotz erzählt wird: eine Architekturreise von Berlin über Arromanches, Rom, Wrocław, Görlitz, Paris, Bologna, Madrid, Buenos Aires, Atlantida, Montevideo, Mexico City, Brasilia, Tokyo, Saipan, Tinian, Tokyo, San Francisco, Dallas, Binz und Mexico City nach Berlin – ins Bodenlose.

Der Film ist nach Parabeton und Perret in Frankreich und Algerien der dritte Teil der Reihe «Aufbruch der Moderne» über die Ursprünge, das Schicksal, den Triumph und das Zerbrechen der architektonischen Moderne.

Do 12. März 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Perret in Frankreich und Algerien – Aufbruch der Moderne, Teil II

von Heinz Emigholz, D 2012, 110'

In Kooperation mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein
 
Auguste Perret (1874–1954) hat in seinen ausgeführten Projekten den Betonbau meisterlich verfeinert und zu einem klassischen Ausdruck gebracht. Parallel zur Ausführung zahlreicher Bauprojekte in Frankreich hat Perret unter den Bedingungen des Kolonialismus in Nordafrika gebaut.
Der Film zeichnet diese Zweiteilung chronologisch nach, indem er die von 1912 bis 1952 in Algerien errichteten Gebäude erstmals ebenso zum Gegenstand macht wie die in Frankreich errichteten. Die Bauwerke Perrets in Frankreich und deren Weiterleben in der Gegenwart stehen so in direktem Vergleich mit seinen in Nordafrika realisierten Projekten. Sichtbar wird dadurch ein differenzierter Umgang mit dem «architektonischen Erbe» in auseinanderstrebenden Kulturen. Das Schicksal der westlich geprägten, architektonischen Moderne – ihr Symbolgehalt und ihre Nachhaltigkeit – zeigt sich im alltäglichen Umgang mit ihren Produkten in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Landschaften.

Do 16. April 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Sullivans Banken / Maillarts Brücken / Zwei Museen

von Heinz Emigholz,
D 1993–2000, 38' / D 2001, 24' / D 2013, 18'

In Kooperation mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein
 
Sullivans Banken zeigt die letzten acht Gebäude, die der berühmte amerikanische Architekt Louis H. Sullivan (“Form follows function”) am Ende seiner Karriere gebaut und ausgestattet hat. Sullivan gestaltete vorgehängte Fassaden, die keine tragende Funktion mehr hatten, konsequent frei. Von Bauwerk zu Bauwerk variierte er dabei ein modular ornamentales Design aus Backsteinen, Stahl, Gips, Terrakotta, Glas, Keramik, Mosaiken, Marmor, Licht, Reliefs, Matritzenmustern, Holz und Metall.

Maillarts Brücken zeigt 14 Dachkonstruktionen und Brücken aus Stahlbeton, die der Schweizer Künstleringenieur Robert Maillart zwischen 1910 und 1935 geplant und ausgeführt hat. Maillart revolutionierte mit der Reduktion des Materials auf die tragenden Teile den Brückenbau und gestaltete in seinen Bauwerken eine bis dahin unbekannte Formenwelt.

Zwei Museen stellt zwei Bauten einander gegenüber: Das Museum of Art in Ein Harod, Israel, welches Samuel Bickels 1948 errichtet hat, und The Menil Collection in Houston, Texas, erbaut 1986 von Renzo Piano. Die Tageslichtführung in Bickels Bau war die direkte Vorlage für Piano, der sie auf Wunsch der Mäzenatin Dominique de Menil für seinen Bau übernahm.

Do 28. Mai 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Loos Ornamental

von Heinz Emigholz, A 2008, 72'

In Kooperation mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein
 
Der Film zeigt 27 noch existierende Bauwerke und Innenausstattungen des österreichischen Architekten Adolf Loos in der Chronologie ihrer Entstehung. Loos’ offensive Wendung gegen eine ornamentale Verzierung von Gebäuden wurde zum architekturtheoretischen Streitfall. Die Entwicklung seines «Raumplanes» setzte ein neues Denken über die zu bauenden Räume in Kraft. Die Bauwerke – Häuser, Laden- und Wohnungseinrichtungen, Fassaden und Denkmäler – stammen aus den Jahren 1899 bis 1931 und wurden in Wien, Niederösterreich, Prag, Brno, Pilsen, Nachod und Paris im Kontext ihrer heutigen Umgebungen im Jahr 2006 aufgenommen.

Loos Ornamental ist Teil der Filmserie «Photographie und jenseits». Thema dieser Reihe sind aktive Gestaltungs- und Projektionsleistungen, real gewordene Ideen, sichtbar als Schrift, Zeichnung, Fotografie, Architektur und Skulptur. Aus dokumentierten und animierten Notizheften und Skizzenbüchern, durch filmische Analysen von Architekturen und Skulpturen bildet sich etwas Unbeschreibbares: ein Film über die Objektivierung gedanklicher Vorstellungen.