Das aussergewöhnliche Filmprogramm in Liechtenstein
Jeden 3. Donnerstag im Monat präsentiert vom Filmclub im TaKino

Überblick Veranstaltungen:

Do 06. Juni 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Shadows

Ein Film von John Cassavetes, USA, 1959, 87’, E/d
 
Lelia lebt mit ihren Brüdern Hugh und Ben in einer kleinen Wohnung in New York, Nähe Times Square. Die drei stammen aus einer Mischlingsfamilie: die 20-jährige Lelia und Ben sind weisshäutig, Hugh ist schwarz. Ben träumt von einer Zukunft als Jazztrompeter, Hugh davon, ein grosser Sänger zu werden; einstweilen müssen sie sich jedoch mit schäbigen Engagements abfinden. Eines Tages lernt Lelia bei einer Vernissage Tony kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, doch Tony ahnt nichts von ihrer Herkunft. Dann begegnet er Lelias Bruder Hugh.

Technisch wie inhaltlich stellte die Produktion eine Revolution der damaligen Filmbranche dar. Schatten leistete sowohl für die Entstehung des Independent- oder Experimentalfilms als auch für die Entwicklung des Blaxploitation-Kinos einen entscheidenden Beitrag. Noch nie zuvor hatte sich ein (weisser) Regisseur derart offen mit den Problemen und dem Alltag der schwarzen Bevölkerung in der modernen amerikanischen Gesellschaft beschäftigt.


Do 22. August 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Le beau Serge

Ein Film von Claude Chabrol, FR, 1958, 96’, F/d
 
Noch vor A bout de souffle und Les quatre cents coups – und danach oft unverdienterweise zu deren Gunsten übergangen – markiert dieser erste Film Claude Chabrols die Geburtsstunde der Nouvelle Vague. Mit dem Nachfolger Les Cousins bildet Le beau Serge (der deutsche Titel lautet Die Enttäuschten) ein Diptychon, in dem Chabrol die Geschichte von Landmaus und Stadtmaus ironisch variiert.

Ein tuberkulöser Theologiestudent kehrt nach mehr als einem Jahrzehnt in seine ländliche Heimatstadt zurück. Das Leben in der Provinz hat sich nicht viel verändert, aber die Menschen. Enttäuscht muss er feststellen, dass sein Jugendfreund und Vorbild nicht ein viel versprechender Architekt, sondern ein unglücklich verheirateter Trinker geworden ist.

Die Theorien der Cahiers du cinéma werden erstmals in die Praxis der Mise-en-scène (in Szene setzen) überführt: Thematisch stark vom verehrten Alfred Hitchcock geprägt, macht der Film bereits eine ganz spezielle Distanz sichtbar – ciné-Chabrol.


Do 19. September 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Pi

Ein Film von Darren Aronofsky, USA, 1998, 80’, E/d
 
Mathematik-Genie Max Cohen steht kurz vor der Entschlüsselung eines Zahlensystems, das die Struktur des Universums offenbart. Heftige Anfälle, die eine Einnahme der verschiedensten Medikamente und Drogen nötig machen, erschweren dem zunehmend paranoiden Zahlen-Forscher die Suche nach dem mysteriösen Code. Doch sein immer grösser werdender Verfolgungswahn ist berechtigt: Der Geheimdienst, Wallstreet-Haie und eine religiöse Sekte sind ihm dicht auf den Fersen und schrecken auch vor skrupellosen Methoden nicht zurück, um in den Besitz seiner Entdeckung zu gelangen!

Darren Aronofskys Spielfilmdebüt Pi als Low-Budget-Produktion zu bezeichnen, wäre wohl noch übertrieben: die Herstellungskosten lagen bei 60 000 $ für den s/w-Film. Das Geld trieb der Regisseur grösstenteils selbst auf, indem er sich von Freunden und Familienmitgliedern jeweils
100 $ «borgte» und ihnen, nachdem der Film für 1 Million Dollar von «Artisan Entertainment» aufgekauft worden ist, sogar 150 $ zurückzahlte.