Sammlung

Der Nachlass André Thomkins

André Thomkins, Sugar-Vue Porträt, 1983_510_340.JPG
 
Der Nachlass des Schweizer Künstlers André Thomkins (ehemals Nachlass Thomkins Luzern und Nachlass Thomkins Köln) befindet sich seit 2004 als Depositum im Kunstmuseum Liechtenstein.

Das Museum betreut und inventarisiert den gesamten Nachlass des Künstlers. Dieser umfasst über 6‘500 künstlerische Werke, die Bibliothek des Künstlers sowie Fotografien und Dokumente.

Leben

André Thomkins, 1930 in Luzern geboren, verstarb 1985 in West-Berlin. 1952 nach Reydt in die junge Bundesrepublik Deutschland gekommen, lebte er dort von 1954 - 1979 mit seiner Familie in Essen. 1979 hat er seinen Hauptwohnsitz wieder zurück in die Schweiz verlegt.

Werk

Im Werk von André Thomkins stehen von Beginn an gleichwertig nebeneinander seine Auseinandersetzung mit den alten Meistern sowie wichtigen Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Marcel Duchamp, Max Ernst, Hans Arp und Paul Klee. Schon früh haben ihn die künstlerischen Strategien des Surrealismus inspiriert und sein grosses, mit den zeitgenössischen Tendenzen korrespondierendes Interesse an experimentellen künstlerischen Praktiken befördert. Thomkins war freundschaftlich eng verbunden mit den Nouveaux Réalistes und Künstlern der Fluxus-Bewegung. Er selbst war Bild-, Objekt- und Wortkünstler gleichermassen. Auch zählte er zu den Vertretern der Konkreten Poesie.

André Thomkins war ein herausragender Zeichner und Aquarellist. Im Nachlass befinden sich neben Feder- und Bleistiftzeichnungen viele seiner Aquarelle ebenso wie Arbeiten, die sich am Übergang von Architektur zu Plastik bewegen (Thomkins‘ „Labyr“-Aktivitäten der frühen 1960er Jahre waren hier prägend). Neben Lackskins, Rapportmustern, Permanentszenen und der immer wiederkehrenden, schwerelosen Schwebsel-Figur (Thomkins‘ Alter Ego), steht Verschiedenes rund um das Ei und zur Musik.

Sein erfindungsreicher Umgang mit Buchstabe und Wort zeigt sich in zahlreichen Palindromen und Anagrammen, in Wortspielen und Wortmaschinen. Den Palindromen entsprechen auf der Ebene des Bildes u.a. die Scharniere, Spiegelungen feiner Zeichnungen nach dem Rorschach-Prinzip. Beziehungsreiche Titel sind nicht nur Teil seiner wortkünstlerischen Produktionen. Oft formulieren sie eine Welt für sich und erweitern erheiternd, fein- und tiefsinnig die Lesart seiner Werke.

Nicht vorstellbar ist Thomkins‘ Werk ohne die ausgeprägte Liebe zu alltäglichen Materialien wie Gummi, Illustriertenfotos, Papier, Lebensmittel, Fundstücke u.a.m., die sich in besonderem Mass in seinen Objekten und Collagen zeigt. Aus Experimenten mit verschiedensten Materialien entstanden eigenständige humorvoll-fantastische Werke von gedanklicher Tiefe und spielerisch-assoziativer Qualität.

1969 von Serge Stauffer nach seinem Lieblingsort und –zustand gefragt antwortete Thomkins: „Überall, aber schwebend.“

Mit der Betreuung des Nachlasses beauftragt ist Dagmar Streckel.