Kunstwerk des Monats Januar

Anna Oppermann, Dahlie, 1977/78

Anna Oppermann
* 1940 in Eutin, Deutschland, † 1993 in Celle, Deutschland
Dahlie zeigt ein vielteiliges, feingliedriges, den Raum um sich einnehmendes «Ensemble», welches sich wie ein Gewächs, nahezu einem lebendig anmutenden Organismus gleich, entfaltet. Ausgangspunkt ist ein häusliches Objekt, eine Holzkommode, aus der sich, so macht es den Anschein, mittels unterschiedlicher Medien eine Vielzahl von Erzählsträngen entwickeln. Malerei, Zeichnung, Text, Abbild und Fundstück führen in ein Konstrukt fortlaufender Analyse, die dokumentiert, umschreibt, reflektiert, sich in der Wiederholung verdichtet und stets auch auf den eigenen Werdegang rekurriert. Dabei wird der Betrachter in der Suche nach zusammenhängendem Sinn zunehmend auf seinen eigenen Wahrnehmungsprozess als Weiterführung des hier Dargebotenen zurückgeworfen.

In ihrer künstlerischen Praxis operiert Anna Oppermann sowohl methodisch ordnend als auch assoziativ improvisierend und versucht auf diese Weise, der Vielschichtigkeit der Welt einen stetig erweiterbaren Ausdruck zu verleihen. Zumeist angeregt von einem Objekt der äusseren Umgebung, entwickelt sie ihre bewusst fragmentierte «Wissensanalyse» und konfrontiert ihr Gegenüber auf diese Weise mit dem Gestus des Unabgeschlossenen.

Oppermann hat ihren Ensembles eine oder mehrere «Bezugspflanzen» sowie «Themen» und «Stichworte» zugeordnet. Die Bezugspflanze des Ensembles Dahlie ist neben der titelgebenden Gattung, einer ausdauernden krautigen Pflanzenart, auch die Graslilie, die dem Ensemble als Objekt inhärent ist. Zudem hat Anna Oppermann dem Werk folgende schriftliche «Anleitung» – systematisierend, hinführend und doch verschlüsselt, undurchsichtig – beigestellt: H.H., das winterfeste Einlagern von Knollen, Kekse, Torre di Asinelli, Klimperkasten für Elise, gezielt etwas über einen bestimmten Menschen machen, Charaktertest, E-Schutz gegen Dreck und Zerstörung, goldener Fleck mit Auge.

Denise Rigaud
<b>Anna Oppermann, Dahlie, 1977/78</b>
Das Kunstmuseum Liechtenstein stellt jeden Monat ein Werk aus der eigenen Sammlung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Auch werden regelmässig Werke aus der Sammlung der Hilti Art Foundation auf diese Weise vorgestellt.