Die Digitalisierung greift immer tiefer in die Realität ein. Davon bleibt auch der Kunstraum nicht unberührt. Welchen Ausgang die gerade heftig geführte Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern des Analogen und den Apologeten des Digitalen auch immer nehmen wird: Tatsache bleibt, dass Maschinen und Algorithmen heute nicht nur die Zirkulation von Bildern und Objekten weltweit bestimmen, sondern auch zunehmend deren Form. Das alte Spiel von Objekt und Raum, von Werk und Betrachter, von Anwesenheit und Abwesenheit im Ausstellungsraum, ja das Sehen selbst muss sich einer neuen Herausforderung stellen.

Für manche ist das nichts Außergewöhnliches. Nur eine gänzlich normale Konsequenz des technischen Wandels und der neuen Technologien, also der (fast) erwartete Lauf der Dinge, nichts weiter als eine Fortsetzung der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Dennoch, so scheint es, wird gerade eine Dissonanz zwischen solchen Stimmen und dem Gefühl Vieler hörbar: Nämlich, dass das Ausmaß, die Tiefe und die Geschwindigkeit der gegenwärtigen Veränderungen unserer Lebenswelten uns zu Zeugen einer Epochenwende machen. Hier Enthusiasmus, dort Depression, Panik oder Paralyse; es ist (wieder einmal) die Kunstwelt, in der die Wende und ihre Konflikte auf besondere Weise sichtbar werden.

Mit der Diskussion dieser so zentralen Fragen der Gegenwart wird Liechtenstein am Eröffnungswochenende der Kunstbiennale in Venedig präsent sein: Mit einer Reihe von Dialogen hochkarätiger Experten, gerahmt von einer Performance von Martina Morger und Wassili Widmer und einer Präsentation Liechtensteiner Kunst im Museo Correr am Markusplatz beim Liechtenstein-Brunch. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des Kunstmuseums mit der Künstlervereinigung visarte.liechtenstein und diskutiert u.a. Themen wie:

Was bedeutet Digitalisierung für die Arbeit von Künstlern und Kuratoren? Wie beeinflusst sie den Ausstellungsraum selbst und die Wahrnehmung und Form dessen, was in ihm zur Aufführung kommt, wie die Beziehung seiner Besucher zu beidem? Was bedeutet es für die Kunst, wenn das digitale algorithmische Denken auf die Etablierung und Durchsetzung von Mainstream und Durchschnittlichkeit zielt und sie unter die Vorzeichen von Effizienz und Optimierung stellt? Was heißt das für das künstlerische Denken, für die Fähigkeit der Kunst, andere Formen von Wissen zu entwerfen und zu vermitteln? Wird eine Zukunft computergesteuerter Echtzeit-Kultur noch Raum für Reflexion und Kritik lassen?

Wie kann den Maschinenregimen des Digitalen eine Praxis entgegengehalten werden, die produktiv ist? Welches neue Verständnis des Museums als Ort der aktiven Reflexion und Beteiligung ist notwendig, um Bedingungen zu schaffen, in denen ein aufgeklärter Dialog zwischen der Erkenntniswelt der Kunst und der Erkenntnishoffnung der Gesellschaft durch sie gerecht werden kann? Wie gestalten wir diese neue Agora?

Besuchen Sie uns am 11. Mai 2019, dem Eröffnungstag der Kunstbiennale und hören Sie in einer Reihe von Dialogen, was Experten aus Paris, New York, London, Belgrad, Leuven, Amsterdam, Berlin, Basel und Wien zu Fragen, die in Liechtenstein von visarte und dem Kunstmuseum erarbeitet wurden, zu sagen haben. Kuratiert wurde das Ereignis von Georg Schöllhammer, Mitglied der Ankaufskommission des Kunstmuseums und Herausgeber von springerin – Hefte für Gegenwartskunst, assistiert vom Team des Kunstmuseums und dem Belgrader Medientheoretiker Vladimir Jeric.

 

Liechtenstein Brunch
11.00 – 12.30 Uhr

Symposium
12.30 – 17.00 Uhr

Museum Correr
Markusplatz, 30124 Venedig

 

PROGRAMM
 

Brunch
11.00 Uhr

Begrüssung
12.15 Uhr

Janine Köpfli, Regierung des Fürstentums Liechtenstein
Friedemann Malsch, Direktor Kunstmuseum Liechtenstein

Performance
12.30 Uhr

Digital Natives | Martina Morger and Wassili Widmer

Kunst in der Zeit algorithmischer Regime
13.00 Uhr

Ein Gespräch zwischen Lev Manovich (City University New York) und Ben Vickers (Serpentine Galleries, London)
Gastgeberin: Sabine Himmelsbach (Haus der elektronischen Künste, Basel)

Der unrechenbare Raum – Eine andere Zukunft des Museums
14.00 Uhr

Geert Lovink (Institute of Network Cultures, Amsterdam), Antonia Majaca (Technische Universität Graz) und Vladimir Jerić Vlidi (Medientheoretiker, networkfailure.net, Belgrad) im Trialog

Kaffeepause
15.00 Uhr

Code und Blick – Wahrnehmung in der digitalen Agora
15.30 Uhr

Betrachtungen von Sybille Krämer (Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland) und Bernard Stiegler (Centre Pompidou Paris)
Einleitende Fragen von Georg Schöllhammer (Herausgeber springerin)

Finale Intervention
16.30 Uhr

Antoinette Rouvroy (Universität Namur, Belgien)

Schlussworte und Verabschiedung
17.00 Uhr


«Liechtenstein Pavillon» von visarte.liechtenstein

 

Um Anmeldung wird gebeten unter
info@kunstmuseum.li

Im Auftrag der Regierung des
Fürstentums Liechtenstein

Projekt Management
Kunstmuseum Liechtenstein

Kurator
Georg Schöllhammer

In Zusammenarbeit mit
visarte.liechtenstein | www.visarte.li

Unterstützt von der
Kulturstiftung Liechtenstein

Besonderer Dank gilt der
Fondazione Musei Civici di Venezia

Weitere Informationen unter
www.artindataspace.net