26. August 2014 – 25. Januar 2015

Aus der Sammlung: Under the Magnifying Glass. Minimal, Post-Minimal und Pop im Dialog

Roy Lichtenstein, The Magnifying Glass, 1963 © 2014, Estate of Roy Lichtenstein/ProLitteris, Zürich
Gleichsam der Funktion eines Vergrösserungsglases versucht "Under the Magnifying Glass" anhand der Konzentration auf ausgewählte Kunstwerke der eigenen Sammlung, dem Esprit des spannungsgeladenen Kunstfeldes der 1960er-Jahre in den USA nachzuspüren.

Dabei nimmt diese Präsentation Bezug auf die ab September zu sehende Ausstellung "Between Sex and Geometry" zu Gary Kuehns Werk, dessen künstlerisches Umfeld der 60er-Jahre hier unter die Lupe genommen wird. In diesem Zoom-In begegnen sich ausgesuchte Arbeiten der Pop, Minimal und Post-Minimal Art und treten mit Energie, Präsenz und Humor in einen den Geist und die Sinne aktivierenden Dialog.

Der gegenwärtige Blick zurück auf das künstlerische Feld der 1960er-Jahre in den USA ist geprägt von einer dynamischen Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bewegungen. Doch in welchen gesellschaftlichen Kontext können Zeit und Ort hier eingegliedert werden, bezieht man den Umstand mit ein, dass diese Jahre gerne als Ausgangspunkt für eine signifikante Wandlung in der Kunst betrachtet werden? So wird die Kunst seit 1960 in der Theorie oftmals gerne auch als „Kunst der Postmoderne“ bezeichnet, oder wie sie etwa der Kunsthistoriker Philip Ursprung als „Kunst der Gegenwart“ benennt.
Die Zeit der 1960er-Jahre war unter anderem von einem sich entfaltenden Massenkonsum, das heisst einer Vorherrschaft industriell gefertigter Massenprodukte und damit einhergehend einer breiten Schicht von Abnehmern, geprägt. Zu den Rahmenbedingungen dieser Entwicklung gehörten etwa verbesserte, automatisierte Produktionsmethoden, der Aufbau differenziert fokussierter Märkte, scharfsinnig durchdachte Marketingstrategien, zunehmende Konkurrenz und sinkende Preise. Zudem wurde die Gesellschaft mitbestimmt von politischen und ökonomischen Prozessen, wie etwa den Bürgerrechts-, Frauen- und Studentenbewegungen, einer ansteigenden Internationalisierung und dem zunehmenden Aufbruch verhärteter Arbeitsstrukturen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in den USA, von der bewaffneten Auseinandersetzung im eigenen Land weitestgehend verschont, steter wirtschaftlicher Aufschwung und Fortschritt. Ungeachtet dessen wurde die amerikanische Gesellschaft auf tiefgreifende Weise von den brisanten politischen Konflikten und kriegerischen Handlungen der damaligen Zeit mitkonstituiert – seien es die verzweigten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, das Gebaren des Kalten Krieges, oder die unmittelbaren kriegerischen Auseinandersetzungen in Korea und Vietnam.

Richtet man den Blick auf das energiegeladene Kunstsystem der 1960er Jahre, so können das wachsende, sich in seiner Rolle verändernde Publikum und das stetig komplexer werdende Zusammenspiel von Künstlern, Galeristen, Sammlern, Kuratoren und Kritikern als kennzeichnende Aspekte hervorgehoben werden. Und auch die Idee der Künstlerfigur unterliegt einem Veränderungsprozess, wie es etwa Allan Kaprow in seiner Abhandlung The Artist as Man of the World damals
formuliert: „Anstatt sie auszuschliessen, rennt die Gesellschaft den Künstlern heute hinterher.“