06. Juli – 03. Oktober 2010

André Thomkins "strategy: get arts"

André Thomkins, Ohne Titel (Labyr), um 1961
Dialoge – das ist die Präsentationsform im Kunstmuseum Liechtenstein. Dafür werden die Kunstwerke der Sammlung immer wieder neu miteinander kombiniert. Die Freude am Dialog steht im Vordergrund.

Der Schweizer Künstler André Thomkins wurde 1930 in Luzern geboren und verstarb 1985 in Berlin. Die kleine Schau – der zweite Teil der Präsentation von Werken aus dem Nachlass André Thomkins, den das Kunstmuseum Liechtenstein aufarbeitet und verwaltet – zeigt Arbeiten aus den 1950er bis 1980er Jahren.

Thomkins war ein herausragender Zeichner und Aquarellist. Gleichwertig neben dem Experiment stand von Anfang an seine Auseinandersetzung mit den Alten Meistern sowie wichtigen Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Marcel Duchamp, Max Ernst, Hans Arp und Paul Klee. Schon früh haben ihn die künstlerischen Strategien des Surrealismus, dessen Erforschung des Unbewussten und Privaten, inspiriert. Thomkins war freundschaftlich verbunden mit den Fluxus-Künstlern und den Nouveaux Réalistes. Er selbst war Bild- , Objekt- und Wortkünstler gleichermassen und zählt auch zu den Vertretern der Konkreten Poesie.

Alltägliche Materialien wie Gummi, Illustriertenfotos und -papier, Lebensmittel und Fundstücke prägen sein Werk ebenso wie tradierte künstlerische Mittel und Techniken. Aus Experimenten mit diesen unterschiedlichen Materialien entstanden seine humorvoll-fantastischen Werke von gedanklicher Tiefe und spielerisch-assoziativer Qualität. Im Zentrum der Ausstellung stehen Arbeiten, die sich zwischen Architektur und Plastik bewegen – Thomkins’ „Labyr“-Aktivitäten der frühen 1960er Jahre ebenso wie die schwerelose „Schwebsel“-Figur (Thomkins’ Alter Ego) –, sein Interesse an Natur und Landschaft sowie Verschiedenes rund um das Ei. Die beziehungsreichen Titel erweitern erheiternd und feinsinnig treffend die Lesart der Werke.

Die Leichtigkeit kennt aber auch ihre Schattenseite: Sein melancholisches Temperament, seine Sehnsucht nach Transzendenz, zeigt sich in frühen Selbstporträts und Federzeichnungen. Befragt nach seinem Lieblingsort und –zustand antwortete er 1969: „Überall, aber schwebend“.