Das aussergewöhnliche Filmprogramm in Liechtenstein
Jeden 3. Donnerstag im Monat präsentiert vom Filmclub im TaKino

Überblick Veranstaltungen:

Do 23. Oktober 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Hans im Glück

von Peter Liechti, CH 2013, 90'
 
Hans im Glück ist die Geschichte von einem, der auszieht, das Rauchen loszuwerden. Dazu macht er sich auf zu einem Fussmarsch von Zürich nach St.Gallen, wo er aufgewachsen ist und mit dem Rauchen angefangen hat. Diese Strecke will er – auf stets anderen Routen – so oft wiederholen, bis das Ziel (endlich Nichtraucher!) erreicht ist.

Immer mehr wird auf dieser Suche nach den Quellen seiner Sucht die Heim-Suchung zum leitenden Thema, der durchaus komische Versuch, die Verbindung wiederherzustellen mit der eigenen Herkunft. All die Bilder, «Erkenntnisse» und Erinnerungen der Wanderungen bilden schliesslich den Fundus zu einer filmischen Himmel- und Höllefahrt quer durchs Vaterland – mit gelegentlichen Abstechern weit über die Grenzen hinaus.

Hans im Glück ist eine Abrechnung und eine Liebeserklärung. Ein Roadmovie für Fussgänger, ein Heimatfilm für Heimatlose. Eine Widmung an alle Raucher und anderen Abhängigen, an alle Pechvögel und trotzdem Anständig-Gebliebenen – und an den Hans im Glück …

Do 20. November 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Hardcore Chambermusic

von Peter Liechti, CH 2006, 72'
 
Seit über 15 Jahren steht das renommierte Schweizer Trio Koch-Schütz-Studer mittendrin im internationalen Musik-Geschehen. Ihre Musik ist heftig und direkt. Nie «abgehoben», doch immer sensibel – anspruchsvolle Musik zum Anfassen.
Mit einem 30-tägigen Musik-Marathon laden Koch-Schütz-Studer ein zu Kammer-Musik in ihrer radikalsten Form: 30 Tage improvisierten Koch-Schütz-Studer jeden Abend zur gleichen Zeit 2 Sets à 40 Minuten in einem eigens für diese Aktion gebauten Club – eine Insel für Hör-Musik, 30 Tage Konzentration auf eine Sache …

Do 18. Dezember 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

The Sound of Insects

von Peter Liechti, CH 2009, 88'
 
The Sound of Insects – Record of a Mummy ist keine Literatur-Verfilmung, sondern die filmische Inszenierung eines literarischen Textes, einer Novelle von Shimada Masahiko.

Der dramatische Monolog des Selbstmörders X ist an niemanden gewandt, weder deskriptiv noch retrospektiv, sondern ganz auf den Moment bezogen. Der Text drängt einem nichts auf, vertritt keine
Moral und verzichtet auf jede Wertung.

Die Anonymität von X ist auch Chiffre für die allgemeine Entfremdung des Menschen in der globalisierten Welt. Gerade der Selbstmord durch
Verhungern sei eine höchst persönliche Todesart, so X, weil man für lange Zeit nur mit sich beschäftigt sei.

Die unterschwellige Kritik am zeitgenössischen Materialismus ist evident. Masahiko stellt damit die klare Forderung, eine Haltung einzunehmen gegenüber der einmaligen Möglichkeit des Lebens.
Die Abwesenheit jeglicher Stellungnahme durch den Autor bietet keinerlei Trost oder Versöhnung, sondern überlässt die Antworten auf die irritierenden Fragen allein dem Zuschauer.

Do 22. Januar 20:00  Filmclub im Kunstmuseum

Vaters Garten

von Peter Liechti, CH 2013, 93'
 
Vaters Garten ist der Versuch einer persönlichen Geschichtsrevision. Ich hatte mich stets als Fremdling gefühlt in meiner Familie – bis ich fast schockartig bemerkte, wie ähnlich wir uns in Wirklichkeit sind. Und je häufiger ich meine Eltern sehe, umso mehr rührt mich ihr hohes Alter, ihr langsames Verschwinden aus diesem Leben, das Einschlafen eines ganzen Erinnerungsreservoirs. So erzählt dieser Film denn auch keine «Geschichte vom verlorenen Sohn», sondern vielmehr die «Geschichte von den verlorenen Eltern».

Vaters Garten ist nicht nur ein Porträt meiner Eltern. Vielmehr geht es um die filmische Verdichtung eines Lebensgefühls, stellvertretend für das Lebensgefühl einer ganzen Epoche, deren Ende längst eingeläutet wurde.

Um der Gespaltenheit meiner eigenen Position Ausdruck zu verleihen, werden die Interviews und intimeren Familienszenen als Kaspertheater nachinszeniert. Die Puppenbühne vertritt gleichsam die eigene Kinderstube und die kleinbürgerliche Enge – damals wie heute.