Das Kunstmuseum Liechtenstein hat den Künstler Tony Cokes (geb. 1956 in Richmond, Virginia, USA) eingeladen, in einen Dialog mit der Sammlung des Museums zu treten. Daraus entstand die eindrucksvolle Ausstellung Let Yourself Be Free. Sie präsentiert Leuchtkästen sowie Schrift- und Videoinstallationen des Künstlers zusammen mit einer neuen Auftragsarbeit und Werken verschiedener Künstler:innen aus der Sammlung.
Die Sammlung [des Kunstmuseum Liechtenstein] hat auf mich besonders inspirierend gewirkt. Ich sage immer, Pop, Minimalismus und Konzeptkunst sind die drei Säulen, auf denen ich meine Praxis aufbaue.
Tony Cokes
Ein zentrales Prinzip der Ausstellung wie auch von Cokes’ Praxis ist das unerwartete Nebeneinanderstellen, Remixen und Neuinterpretieren.
Tony Cokes ist bekannt für seine einzigartigen Videoarbeiten, in denen Zitate aus ganz unterschiedlichen Texten mit leuchtend farbigen Hintergründen und Musik kombiniert werden. So entstehen Sequenzen, die die Betrachter:innen dazu anregen, neu zu überdenken, wie Bilder und Klänge unser Verständnis von Politik, Kultur und Macht formen. Cokes bezeichnet sich selbst als «Post-Konzeptkünstler» und betont, dass es ihm weniger um die Produktion von Bildern geht als vielmehr um die Untersuchung unserer Beziehung zu ihnen. Wie ein DJ sampelt und remixt er Fragmente aus Popkultur und Massenmedien, um herrschende Codes zu unterlaufen. Seit Ende der 1980er-Jahre beschäftigt er sich kritisch mit Medien- und Machtverhältnissen, Rassismus und Konsumverhalten. Neben Social Media greift er auf Found Footage, also bereits existierendes Filmmaterial, sowie journalistische Texte und philosophische Schriften zurück.
In jüngerer Zeit richtet Cokes den Blick verstärkt auf die Geschichte und Rezeption von Konzeptkunst und Minimalismus. An diesen Fokus knüpft die Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein an: Tony Cokes präsentiert ausschliesslich Werke aus seinem Oeuvre, die sich mit Persönlichkeiten und Themen aus den Bereichen der bildenden Kunst und der Musik auseinandersetzen. Er kombiniert sie mit Arbeiten von Nazgol Ansarinia, Bill Bollinger, James Lee Byars, Dan Flavin, Dan Graham, Anne Marie Jehle, Donald Judd, Gary Kuehn, Allan McCollum, Liliana Moro, Cady Noland, Steven Parrino, Pope.L, Fred Sandback, Richard Serra und Andy Warhol. Die Auswahl hat der Künstler selbst getroffen. Werk und Arbeitsweise von Tony Cokes prägen die Struktur von Let Yourself Bee Free. Gleichzeitig wirft die Ausstellung Fragen über das Kuratieren auf und darüber, was es bedeutet, wenn Künstler:innen als Kurator:innen auftreten.
Eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Letizia Ragaglia in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler.
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Installationsansichten, Essays von Jordan Carter und Christoph Cox sowie einem Interview mit Tony Cokes, geführt von Letizia Ragaglia.