Die Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein bildet das Herzstück des Hauses. Sie ist der Motor für das Ausstellungsprogramm und der Impulsgeber für seine vielfältigen Aktivitäten und Angebote. Heute umfasst sie internationale Kunst von der frühen Moderne bis in die Gegenwart, mit einer Ausrichtung auf Arbeiten seit 1945. Marcel Duchamp ist ein zentraler Bezugspunkt. Von ihm befinden sich alle «Boxen» in der Sammlung. Aus den 1950er-Jahren sind vor allem die Lettristen (Schenkung Robert Altmann) und das Informel (Depositum Sammlung Monauni) stark vertreten.
Bei Neuerwerbungen steht die Reflexion auf die Moderne und ihre Erweiterung durch globalisierte Perspektiven im Zentrum. Arte Povera und Post Minimal (Sammlung Ricke) gehören zu den ausgeprägten Stärken der Sammlung, insbesondere im Bereich installativer und prozessualer Konzepte. Kunstschaffende wie Marcel Broodthaers, General Idea, Ana Lupas, Matt Mullican, Absalon, Rivane Neuenschwander, Henrik Olesen, Bethan Huws und Anne Marie Jehle verbinden in grosser Offenheit anthropologische und ästhetische Fragestellungen mit den Errungenschaften klassischer Positionen. Diese Linie setzt sich auch bei jüngeren Positionen wie Dozie Kanu, Charlotte Moth, Pamela Rosenkranz, Georgia Sagri und Diamond Stingily fort.
Entsprechend werden die Sammlungsbestände nicht in einer permanenten Best-of-Auswahl gezeigt, sondern in wechselnden Formaten zueinander und zu neuen Werken in Beziehung gesetzt und neu befragt. Dialoge tragen die Präsentation und Erweiterung der Sammlung.
Die Sammlung des Kunstmuseums vereint verschiedene Teilbereiche, die im Laufe der Museumsgeschichte hinzugekommen sind. Der Skulpturenparcours macht ausgewählte Werke im öffentlichen Raum erlebbar.
2006 erwarben das Kunstmuseum St.Gallen, das Kunstmuseum Liechtenstein und das Museum MMK für Moderne Kunst Frankfurt am Main die bedeutende Sammlung Ricke – ein einmaliges Beispiel grenzüberschreitender musealer Kooperation. Trotz der Besitzteilung bleibt die Sammlung integral erhalten: Alle drei Museen haben gleichberechtigten Zugriff auf den gesamten Bestand.
Die Sammlung umfasst vor allem US-amerikanische Kunst seit den 1960er-Jahren, darunter Schlüsselwerke von Richard Artschwager, Donald Judd, Barry Le Va, Lee Lozano, Richard Serra und Keith Sonnier. Ihre dichten, sich ergänzenden Werkgruppen machen sie weltweit einzigartig.
Der langjährige Kölner Galerist Rolf Ricke (geb. 1934 in Kassel) zählt zu den Pionieren der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Als einer der ersten in Europa stellte er die US-amerikanische Nachkriegskunst vor und begleitete das Schaffen von wegweisenden Künstler:innen.
Das visionäre Werk der österreichisch-liechtensteinischen Künstlerin Anne Marie Jehle (1937 in Feldkirch–2000 in Vaduz) umfasst Objekte, Installationen, Malerei, Grafik, Fotografie und Text. Im Zentrum steht ihre kritische Auseinandersetzung mit Aspekten des Alltags, gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen sowie insbesondere mit weiblichen Rollenbildern.
Der Nachlass von Anne Marie Jehle wurde 2022 von der Anne Marie Jehle Stiftung an das Kunstmuseum Liechtenstein übergeben. Er umfasst über 1’600 Arbeiten, ihre Bibliothek, den schriftlichen und audiovisuellen Nachlass, Fotografien und Dokumente.
Jehles Elternhaus in Feldkirch war ab 1965 Zentrum ihrer künstlerischen Schaffens. Ende der 1960er-Jahre knüpfte sie internationale Kontakte, begegnete der Fluxus-Bewegung und den Nouveaux Réalistes. Von 1989 bis 1993 lebte sie in den USA, danach brach ihr künstlerisches Schaffen abrupt ab. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Liechtenstein.
Der Nachlass des Schweizer Künstlers André Thomkins (1930 in Luzern–1985 in Berlin) befindet sich seit 2004 als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Liechtenstein. Er umfasst über 6'500 Werke, die Bibliothek des Künstlers sowie Fotografien und Dokumente.
Thomkins‘ experimenteller Umgang mit Sprache zeigt sich in seinen typischen Wortspielen, Anagrammen und Palindromen – etwa «STRATEGY: GET ARTS». Sein Spielwitz und sein erfinderischer Geist begleiteten ihn bis zu seinem frühen Tod im Alter von 55 Jahren.
Thomkins war zudem ein herausragender Zeichner und Aquarellist. Er setzte sich mit den Alten Meistern und Künstlern des 20. Jahrhunderts auseinander – darunter Marcel Duchamp, Max Ernst oder Paul Klee – und war vom Surrealismus inspiriert. Aus Gummi, Papier, Lebensmitteln und Fundstücken schuf er humorvoll-fantastischen Werke voller spielerischer Leichtigkeit und gedanklicher Tiefe.
Kunst begegnen – quer durch das ganze Land!
13 Skulpturen aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein sind dauerhaft im öffentlichen Raum zu erleben: Fernando Boteros Reclining Woman befindet sich direkt beim Museum vor dem Seitenlichtsaal. Weitere Werke sind in Vaduz, Bendern, Planken oder auf der Burg Gutenberg in Balzers zu entdecken.
Ein besonderes Kunsterlebnis im Grünen bietet der frei zugängliche Skulpturenpark im Seminarzentrum Stein Egerta in Schaan. Georg Malin, langjähriger Konservator der Staatlichen Kunstsammlung und Mitbegründer des Museums, begann den Skulpturenpark im Jahr 1995.
Viel Freude beim Recherchieren, Stöbern und Kennenlernen unserer Sammlung!